Beagle Meute Münsterland

Herbstzeit ist Jagdzeit, auch für die Jagdreiter. Und was wäre eine Schleppjagd ohne ihre wundervollen Hunde, die stets im Mittelpunkt des traditionellen Treibens zwischen Stelldichein und Halali stehen? So wie die Beagle Meute Münsterland …

© Text und Fotos Karolin Behrens



Der Herr der Hunde

 86 dunkelbraune Knopfaugen luken erwartungsvoll durch den Zaun: Die Hunde der Beagle Meute Münsterland gibt es seit 35 Jahren. Wilhelm König aus Waltrop, heute noch Ehrenmaster des gleichnamigen Schleppjagdvereins, hat die Meute damals ins Leben gerufen. Einige Jahre später hat die Meute ihr Quartier am Rande von Marl aufgeschlagen. Im Grünen, hinter einem Bauernhof steht das Gebäude mit den Boxen und dem anschließenden Kennel – zu Deutsch, Zwinger. Über 150 Quadratmeter misst der Sandauslauf. Im Gebäude, neben den Boxen befindet sich ein Stübchen mit einem urigen Tresen und jeder Menge Fotos an der Wand. Erinnerungsstücke von vergangenen Schleppjagden. Gemütlich ist es hier – den Zweibeinern soll’s schließlich auch nicht schlecht ergehen, wenn sie bei den Hunden sind, sie fit und bei Laune halten. So wie Thorsten Witte, erster Vorsitzender des Vereins und Kennel-Huntsman, sprich der „Herr der Hunde“. In diesem Fall sind es 50 Beagle, 43 in der großen Gruppe, sieben läufige Hündinnen bilden derzeit eine eigene Mini-Meute. Witte und seine Lebensgefährtin Maria Gillissen kümmern sich um die Zucht und das Wohl der kleinen Jagdhunde - und natürlich „unser Jupp“, Voss mit Nachnamen, ein Mann der ersten Stunde. 
Beagle on tour
Jetzt im Herbst ist wieder Hochsaison für Hundemeuten und Jagdreiter, die im roten oder dunklen Rock mit feinem Plastron hoch zu Ross über Wiesen und Felder, durch die Wälder und Büsche galoppieren. Etikette muss sein. Nicht nur was die Kleidung betrifft. Es gibt Spielregeln, Bräuche, traditionelle Abläufe. So geht man selbstverständlich ungespornt zum Stelldichein, zur Curée ziehen die Herren die Kappe und auf der Schleppe herrscht ein strenges Überholverbot. „Jagdreiten ist mehr als ein gemütlicher Ausritt“, sagt Witte. Es ist das Zusammenspiel zwischen Mensch, Hund und Pferd in der freien Natur, es ist eine reiterliche Herausforderung. Adrenalin ist im Spiel, wenn Tempo aufgenommen wird und die ersten Sprünge warten. Und was gibt es schöneres, als gemeinsam, gesund und munter am Ziel anzukommen? Wer einmal eine Jagd geritten ist, der wird es wieder tun.
Auch für die Hunde ist die Jagd ein Ereignis. Beinahe jedes Wochenende sind sie jetzt unterwegs. Die Reisen der Beagle Meute Münsterland führen mit einem Transporter bis nach Frankfurt/Main oder Bad Oeynhausen, die meisten „Aufträge“ erfüllen sie aber hier in Westfalen, dem Mekka der Jagdreiterei. Früh morgens geht es los, mit nüchternem Magen, jede Mahlzeit vor der Jagd wäre ein Handicap für die Hunde. Sport mit vollem Bauch ist auch für Spürnasen auf vier Pfoten nicht angenehm. Bei jeder Jagd vollbringen sie eine unvorstellbare Höchstleistung mit ihrer Nase: Die Schleppenleger arbeiten Kilometer lange Schleppen aus. Einzig mit wenigen Tropfen hochverdünntem Eukalyptus – bestehend aus drei Prozent Eukalyptus, Rest Wasser. Das geben sie in die Hufe ihrer Pferde und reiten los.


Auf Spur


Bei der Jagd dürfen die Hunde erst an die Arbeit gehen, wenn der Master in das Rufhorn bläst. Wie ein Bienenschwarm suchen sie nun, die Nasen tief am Boden, nach ihrer Schleppe. Immer lauter werden sie vor Aufregung und Vorfreude, sie bellen, winseln. Dann kommt der Hetzlaut, besonders laut und ohrenbetäubend. Die Hunde sind auf Spur. Sie laufen los, Kilometer lang, geschlossen in einer Gruppe. Tempo: 400 bis 500 Meter pro Minute. „Das ist das Tempo, das die hinteren, ‚langsameren‘ Hunde angeben. Die Hunde ganz vorne können noch schneller laufen, aber man muss ja auch noch mit den Pferden mitkommen“, sagt Witte. „Die Equipage bleibt immer in der Nähe der Hunde, ohne sie zu bedrängen. Die Hunde sollen eigenständig suchen. Aber genügend dranbleiben muss man trotzdem, sonst findet man den Weg nicht“, erklärt Maria Gillissen. Keine Jagd laufe ohne kuriose Zwischenfälle ab, sagt sie mit einem vielsagenden Lächeln im Gesicht.


Erstmals mit einem Jahr


Die Hunde sind in ihrem Element. Das ist ihre Lebensaufgabe. Einst wurden sie gezüchtet, um nach Hasen zu jagen. Deshalb sind sie auch so „wuselig“, können extrem enge Kurven in hohem Tempo bewältigen, und deshalb buddeln Beagle gerne Löcher – eben wie Hasen. „Jede Jagdhunderasse ist von ihrem Ursprung her auf bestimmte Wildarten oder Einsatzgebiete gezüchtet“, erklärt Thorsten Witte. So werden die Anforderungen bei einer Schleppjagd an die Hunde angepasst, beziehungsweise an das Wild, das die Meute jagen würde. „Wir legen die Schleppen mit vielen Ecken und Winkeln, auch in eher unübersichtlichem Gelände, wie im Wald, und weniger auf freien Feldern. Für die Hunde soll die Jagd möglichst interessant sein, sie müssen gefordert werden, um immer wieder auf die Schleppe zu kommen, und mit uns zusammenarbeiten.“ Mit einem Jahr gehen die Hunde erstmals auf die Jagd, bis dahin haben sie einige Monate konsequenter Ausbildung hinter sich.


Karrierestart für Schnüffelnasen


as Trio Witte, Gillissen und Voss kümmert sich vom ersten Tag an um die Hunde. Die kommen in einer eigenen Box in Marl zur Welt. Sobald sie von der Mutter getrennt werden können, holen Witte und Gillissen die Welpen auf ihren Hof in Coesfeld zur Hunde-Grundschule. „Bei uns lernen sie den Bezug zum Menschen, ihren Namen und auch darauf zu hören. Ich übe mit ihnen das Schleppen, dabei lasse ich sie hinter einem Stück Pansen her rennen, sie müssen dabei schon ihre Nase einsetzen. Und ich trainiere sie auf das Rufhorn“, erklärt Maria Gillissen. Später kommen dann die Partner mit der kalten Schnauze zurück nach Marl und werden in ihre Gruppen eingegliedert. „Man darf damit nicht zu lange warten, sonst fehlt die Meutebindung“, sagt Gillissen. Auch der Herdenverband leistet Erziehungsarbeit. In vier Gruppen sind die 50 Hunde aufgeteilt, jede Gruppe hat ihre eigene Box und Auslauf. Nachmittags ist Party-Time. Da werden alle Türen geöffnet und die Meute tummelt sich im großen Spaßbereich „So bildet sich ein Sozialverband aus. Die Hunde versuchen von sich aus immer zusammen zu bleiben. Und das ist auch eine Grundvoraussetzung für die Jagd“, sagt Witte. Ohne Weiterbildungsmaßnahmen kommt Hund trotzdem nicht zur Jagd.

 

Die höhere Schule


Die Jüngsten in der Meute werden zunächst zu Fuß auf Spaziergänge mitgenommen. Die ganze Equipage, sieben Leute, hilft bei der Ausbildung der Junghunde mit. Auf den Spaziergängen lernen die Jungen, dass sie in der Gruppe bleiben sollen. Sitzen die Grundlagen, geht es an die Fitness. Konditionstraining am Fahrrad, zunächst acht bis neun, dann zwölf, später auch 25 Kilometer. Die Hunde lernen, sich von der Equipage auf der Leeze so führen zu lassen wie später, wenn die Herrschaften hoch zu Ross sitzen. Witte: „Daraus folgt dann das Führen am Pferd, aber dieser Schritt ist recht klein.“ Der Tag der Wahrheit: die erste Schleppe für die Junghunde. „Da zeigt sich, ob sie Jagdeifer und den Drive haben, nach vorne zu laufen, richtig Gas zu geben. Bei den meisten Hunden ist das kein Problem. Selten gibt es Ausnahmen.“ Und wenn doch, naja, dann finde man auch für diesen Hund einen guten Platz, weiß Thorsten Witte. „Beagle sind tolle Familienhunde“, sagt Gillissen.


Das kleine Jagd-ABC

 

Bruch: Am Ende der Jagd erhält ein jeder Reiter vom Jagdherren einen Bruch, normalerweise ein Eichenzweige, und ab dem Hubertustag, dem 3. November, ein Fichtenzweig. Dem „Waidmannsheil“ antwortet man „Waidmannsdank“.
Curée: Die Belohnung für die Hunde nach der letzten Schleppe, meistens gibt es Rinderpansen. Zur Curée (frz. für Beute) steigen alle Reiter ab, die Herren ziehen die Kappe.
Equipage: Dazu gehört der Master (of Hounds) und die Piköre.
Geläut: Das typische Gebell der Hunde, solange sie auf der richtigen Fährte sind.
Halali: Am Ende der letzten Schleppe zieht jeder Reiter den rechten Handschuh aus, hält ihn hoch und ruft noch im Galopp „Halali, Halali“. Oder: das „Halali“ erfolgt erst auf dem Halaliplatz, wo die „Curée“ vorbereitet ist. Die Reiter sitzen ab, bilden mit ihren Pferden an der Hand einen Halbkreis um die Hunde, und wenn der Master die Curée freigegeben hat, ziehen sie ihre Kappe und rufen „Halali, Halali“.
Master: Das ist der Hundeführer. Er gibt mit einem Rufhorn das Signal für die Hunde, dass sie nun die Fährte aufnehmen dürfen, und kurz darauf den Reitern die Erlaubnis folgen zu dürfen.
Schleppen: Sie werden gelegt, die Hunde nehmen ihre Spur auf, das Jagdfeld galoppiert hinterher. Beim Schleppenlegen wird eine Strecke mit einem Duftstoff präpariert.
Schüsseltreiben: Sind Hunde und Pferde versorgt, folgt das Schüsseltreiben, das gesellige Beisammensitzen mit Essen und Umtrunk.
Stelldichein: Die Jagdreiter kommen zusammen, zunächst noch ohne Pferd, im korrekten Reit-Dress, aber ohne Sporen und vor allem pünktlich. Dann trägt man sich ins Jagdbuch ein und zahlt das Cap-Geld.




Zeitgeschehen

Sein Handwerk ist vom Aussterben bedroht. Doch Reinhold Flüthe schreckt vor dem Zahn der Zeit nicht zurück. Er ist Uhrmacher aus Leidenschaft. So führt er fort, was einst sein Ur-urgroßvater ins Leben gerufen hat. Er baut nach individuellen Wünschen Uhren, restauriert historische Schmuckstücke und gibt in Seminaren seinen Wissensschatz großzügig weiter. Dieser Mann hat etwas zu erzählen – von den Uhren der Gegenwart und denen der Vergangenheit.

 


Von Rittern und wilden Rössern

Geschichte ist allgegenwärtig im Haus Merfeld im gleichnamigen Örtchen. Hier, nur wenige Kilometer von Dülmen entfernt, befindet sich der jetzige Wohnsitz von Herzog Rudolph Carl Rupprecht von Croÿ, seiner Frau Alexandra sowie den sechs Kindern. Und die Historie dieses hochadligen Geschlechts lässt sich gar bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückverfolgen. Schlossallee-Redakteurin Dagmar Sauer hat die von Croÿs besucht und von vielerlei Dingen erfahren: von Rittern und wilden Rössern, von Perfektion und Philosophie, von Tierliebe und Tradition.     


 

Das Trio mit der Meute: Maria Gillissen, Thorsten Witte und Jupp Voss (r.).
Ein Erlebnis für Jagdreiter und auch Zuschauer: Die Beagle sind auf Spur. Mit ihrer hervorragend ausgeprägten Spürnase verfolgen sie die gelegte Schleppe, nur sie kennen den richtigen Weg.
„Unser Jupp“, ein Mann der ersten Stunde bei der Beagle Meute Münsterland.